Manipulationen in einer Audioaufnahme


Audioaufnahmen zu manipulieren wirft mindestens zwei Hauptfragen auf: Warum werden Audioaufnahmen manipuliert und wenn ja, wie sehen diese Manipulationen aus? Oft werden Audioaufnahmen heimlich und verdeckt durchgeführt. Situativ bedingt oder mangels Fachkenntnis des Bedieners liegen Audioaufnahmen häufig in schlechter Aufnahmequalität vor. Die Aufnahmen sollen dann auf Verständlichkeit bearbeitet, manchmal transkripiert und auf Manipulationen untersucht werden.

Motivationen zur Manipulation sind oft eine Verdeckung (Löschung) von Gesprächsinhalten, eine Veränderung oder Verschleierung von Gesprächszusammenhängen oder eine Ent- oder Belastung von Personen, letzteres häufig in Form von Erpressungen. Auch dienen Audioaufnahmen zur Bestätigung von (vermeintlichen) Vertragsabschlüssen. Oft ist unklar, ob der Leistungsgeber einen nicht zustande gekommenen Vertragsabschluss mit Hilfe einer manipulierten Aufnahme erzwingen will oder der Leistungsnehmer sich nicht mehr an den real stattgefundenen Vertragsabschluss erinnern kann. Meist findet eine Aufnahme nur ganz am Ende des Vertragsabschlusses statt, wenn der Leistungsempfänger dies mit einem gesprochenen “Ja” quittiert.

Zur Audioforensik kommt es dann, wenn mit herkömmlichen Mitteln der Tontechnik Aufnahmen weder verbessert noch untersucht, oder keine belastbare Veränderungen im Material festgestellt werden können. Anders als mit Standardwerkzeugen der Audiotechnik kann mit einer forensischen Labortechnik sehr tief in das zu untersuchende Material Einblick genommen werden. Kleinste Zeiteinheiten von einer Millisekunde können “mikroskopisch” dargestellt, (hoch)-aufgelöst und somit Zusammenhänge (sog. Muster) erkannt werden.

Aufnahmemängel entstehen entweder situationsbedingt z. B. durch ein verstecktes Mikrofon in der Kleidung (die Mikrofonkapsel reibt dabei z. B. während der Aufnahme an der Kleidung), Umfeldgeräusche (Bau- oder Straßenlärm, Menschen, die durcheinander bzw. gleichzeitig sprechen etc.), Hardwareverhalten (z. B. ungewolltes An- und Abschalten des Aufnahmegerätes) sowie Audio Prozessoren der Hardware (insb. starke Komprimierungen). Oder sie entstehen durch fachliche Unkenntnis des Bedieners, z. B. durch falsche Aufnahmeeinstellungen, falsche Mikrofonplatzierungen, falsch eingesetzte Hardware, Fehlbedienungen etc. Nicht alle Fehler bzw. situationsbedingte Mängel können im Nachhinein rückgängig gemacht bzw. eliminiert werden. Manipulationen entstehen u. a. durch Schnitte im Material, Mischungen, Kreuzblenden oder Überlappungen.

Eine Analyse erfolgt insb. zu Kontext und Wirklichkeitstreue sowie technischen Kriterien. Verschiedene Sprachkriterien und weitere Kriterien finden hierfür Eingang in die Untersuchung. Unter Anwendung der Analyseverfahren kann die Spektraldichte eines Signals (Intensität bzw. der Pegel der Frequenzen ) über einen Zeitverlauf in einem Farbspektrum dargestellt und das Audiomaterial visualisiert werden. Die Spektrum-Darstellung dient dazu, gezielt sowohl auf ganz bestimmte Frequenzbereiche als auch bestimmte Zeitbereiche zuzugreifen. Es kommt insb. auf bestimmte Eigenschaften bzw. auf Übereinstimmung von Mustern an (“Pattern-Matching”).

Frequenzanalyse im Audiomaterial zwischen 0 – 1.000 Hz (gelb dargestellter Bereich), Zeitausschnitt ca. 0,7 Sekunden; Isolierung von Frequenzbereichen mittels Retouch-Funktion.

Der Einsatz von forensischer Labortechnik ist sehr zeit- und kostenintensiv, häufig aber der einzige Weg, wenn es um die Aufdeckung von Manipulationen oder Übereinstimmungen geht. Im Extremfall erfordert eine Untersuchung weniger Sekunden Ausgangsmaterial bereits weit mehr als ein Labortag Untersuchungsaufwand sowie mehrere Tage Aufwand in der anschließenden Nachbearbeitung.

Die Fragestellung:
Enthält die Audioaufnahme Nachweise für einen Zusammenschnitt im Sinne einer Gesprächsmontage

Auftraggeber:
Privatgutachten im Strafverfahren