Dokumentarische Authentizität. Direct cinema vs. Cinema verité


Wann ist ein Filmwerk authentisch? Der Begriff „Authentizität“ ist ein unbestimmter Begriff, der unterschiedlich ausgelegt werden kann. Im dokumentarischen Bereich werden zwei Formen der filmischen Aufnahme unterschieden: Direct Cinema und Cinéma vérité.

Der Dokumentarfilm

An einen Dokumentarfilm wird der Anspruch erhoben, authentisch zu sein. Als Dokumentarfilm werden alle Non-Fiction- oder Factual-Filme bezeichnet. Die Gattung des Dokumentarfilms wird wissenschaftlich als filmische Beobachtung und Bearbeitung der Wirklichkeit definiert.

Direct Cinema

Direct Cinema ist eine Form des Dokumentarfilms und sehr strikt an einen „reinen Beobachter“ orientiert. Es wird dabei angestrebt, dass zwischen dem Filmemacher, den Subjekten im Film und den Zuschauern die Gegenwart der Kamera das gefilmte Ereignis nicht substantiell verändern würde. Die Kamera und der Filmemacher rücken deutlich in den Hintergrund, damit sie keinen allzu großen Einfluss auf das Geschehen haben (die Kamera als unbemerkter Beobachter, die bestenfalls das Geschehen nicht beeinflusst). Das porträtierte Subjekt „vergisst“ die Kamera, um eine dahinterliegende Wahrheit zu offenbaren. Diese Annahme ist allerdings mindestens teilweise eine Illusion, da mit Eindringen der Kamera in eine bestimmte „Wirklichkeit“ diese verändert wird.
Um dem Anspruch des Direct Cinema gerecht zu werden, muss eine unbemerkte filmische Beobachtung stattfinden, die aus Sicht der Protagonisten unbemerkt abläuft. Dies bedarf einer sehr genauen, detaillierten Vorbereitung.

Cinéma vérité

Kennzeichen des historischen Cinéma vérité sind die direkte Interaktion zwischen Filmemacher und dem Gefilmtem. Oftmals wird das Cinéma vérité mit dem Begriff des Direct Cinemas gleichgesetzt. Gemeinsamkeiten sind insbesondere der Verzicht auf ein Voice-over (eine auf den Film überlagerte Sprecherstimme) und der Verzicht auf die Interpretation von sozialen und ideologischen Zusammenhängen. Bei Cinema vérité stellt sich der Filmemacher provokativ direkt in das Geschehen, in einem interaktiven Modus interagierend. Das Ziel ist es, die Konflikte zu protokollieren, die durch das Vorhandensein von Kamera und Interviewer hervorgerufen werden.

Nicht selten sind Filmaufnahmen eine subjektive Auswahl des Filmemachers mit redaktionell dokumentativen Charakter, bei denen es nicht auf filmische Stilmittel (i.S.v. Storytelling und Filmmontage im Besonderen) ankommt.

Die Anforderung

Authentizität von Bildaufnahmen im Rahmen des Herstellungsprozesses.

Task: Gerichtsgutachten im Strafverfahren